Dokumentation

Stadtgespräch. Metropolitane Perspektiven #19

Donnerstag, 26. November 2015, 19 Uhr
Kolonialität der Form. Medienwissenschaft und post_koloniale Theorie
Denknotiz von 
Ulrike Bergermann (Professorin für Medienwissenschaften, HBK Braunschweig) und Nanna Heidenreich (Wissenschaftliche Mitarbeiterin, HBK Braunschweig und Filmkuratorin, Arsenal Berlin)

Auch wenn die Medienwissenschaft erst nach der europäischen Kolonialzeit entstand, so ist sie doch eine direkte Erbin von deren Wissensschaftsgeschichte. Die europäischen Universitäten betreiben noch immer eine „Embedded Wissenschaft“ in einer Welt, die statt kolonial nun globalisiert heißt, jedoch vieles der letzten Jahrhunderte weiterschreibt. Welche kolonialen Erbschaften verwaltet die Medienwissenschaft heute und welche Form von Kolonialität lassen sich in den Begriffen der Medialität finden? Was ist oder wäre eine post_koloniale Medientheorie im Verhältnis dazu? In den letzten Jahren wurden in vielen Städten in Deutschland dekolonisierende Projekte zur Straßenumbenennung initiiert. Aus einer medienwissenschaftlichen Perspektive wäre zu fragen, was die Straßennetze selbst mit der kolonialen Geschichte zu tun haben. In welcher Hinsicht ist die Stadt selbst als Medium
des Kolonialismus zu betrachten? Wie hängen Urbanität und Migration visuell zusammen? Welche Schnittstellen bestehen zwischen einer kritischen Perspektive der Post_Kolonialität und der Migration?

Ulrike Bergermann ist seit 2009 Professorin für Medienwissenschaft an der Kunsthochschule Braunschweig mit Schwerpunkten in Medientheorie, Gender und Postcolonial Studies. Sie hat in Hamburg über die Verschriftlichung von Gebärdensprache promoviert und war an diversen feministischen Projekten beteiligt (Bildwechsel, thealit, The Thing u. a.). Mit Nanna Heidenreich hat sie an der Kunsthochschule Braunschweig mehrere Workshops zur post_kolonialen Medienwissenschaft veranstaltet und eine Buchreihe zum Thema im Verlag Transcript herausgegeben.

Nanna Heidenreich ist seit 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin in Medienwissenschaften an der Kunsthochschule Braunschweig und Kokuratorin des Kunstfilmprogramms Forum Expanded auf der Berlinale in Berlin. Daneben kuratiert sie unabhängige Projekte mit Film und Video, besonders an den Kreuzungspunkten von Politik, Kino und Kunst. Ihr Buch V/Erkennungsdienste, das Kino und die Perspektive der Migration ist 2015 im Verlag Transcript erschienen.