Stadtgespräch. Metropolitane Perspektiven #17

Mittwoch, 11. November 2015, 19 Uhr
Urbane Paniken: Postsäkulare Konflikte
mit Vassilis Tsianos (Professor für Soziologie, FH Kiel)

Der Begriff des Postsäkularen bezieht sich auf Jürgen Habermas’ Überlegungen zum postsäkularen Zeitalter. Damit adressiert er die vernachlässigte Relevanz des Religiösen als zeitgemäße kulturelle Form des Spätkapitalismus. Auch Stuart Hall versteht das Aufkommen postsäkularer Organisationsformen als neuartige kulturelle Systeme der Identifikation, welche die Vorstellungen von neuen Gemeinschaften in der Einwanderungsgesellschaft zum Ausdruck bringen können. Unter postsäkularen Politiken werden hier Politiken der Differenz und der Zugehörigkeit verstanden, welche die gelebte Spiritualität anerkennen und die damit verbundenen Chancen transnationaler Mehrfachzugehörigkeiten für die städtische Migrationsgesellschaft nutzen. Die feinen Unterschiede dieser postsäkularen Politiken werden selten in ihrem Potenzial für ein mehr an Demokratie als vielmehr als Störung wahrgenommen.

Dr. Vassilis Tsianos ist Migrations- und Grenzregimeforscher, Gründungsmitglied des Netzwerks Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung (kritnet), Mitbegründer von kanak attak und Sektionssprecher des Rates für Migration der Universität Hamburg. Lehrtätigkeit u. a. an der Universität Hamburg, Ludwig Maximilian Universität München, Universität Luxemburg und Fachhochschule Kiel.