Am 4. Oktober 2025 würdigte auf Einladung der Berliner Künstlerin Candice Breitz ein außergewöhnliches Line-up von Musiker*innen die unermüdliche antifaschistische Aktivistin und Musikerin Esther Bejarano. A Song for Esther ist eine Hommage an Esther Bejarano, die nach dem Holocaust in Hamburg eine neue Heimat fand. Bejarano wurde 1924 als Esther Loewy in eine jüdische Familie im Saarland geboren und wäre dieses Jahr 100 Jahre alt gewesen. A Song for Esther ist ein Akt des Gedenkens, der ganz im Zeichen ihrer Abwesenheit steht — ein vergängliches Mahnmal in Form eines Konzerts.
Mit 18 Jahren wurde Esther nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Sie begriff sofort, dass die brutale Schwerstarbeit, zu der sie gezwungen wurde, ganz auf ihre Auslöschung abzielte. Als sie für die Mitwirkung im Mädchenorchester des Vernichtungslagers vorgeschlagen wurde, sah sie eine Möglichkeit, dem sonst sicheren Tod zu entkommen. Wie Esther später erklärte, verdankte sie ihr Überleben letztendlich dem Umstand, dass sie der Dirigentin des Orchesters ein bestimmtes Lied vorspielen konnte. Während der unvorstellbar düsteren Aufnahmeprüfung sollte sie beweisen, dass sie den zuckersüßen Kriegsschlager Bel Ami auf dem Akkordeon beherrschte, einem Instrument, das sie noch nie zuvor gespielt hatte. Aus purer Verzweiflung quetschte Esther mithilfe ihrer Klavierkenntnisse das eingängige Lied aus dem Akkordeon.
Nach dem Holocaust wollte Esther siebzig Jahre lang nichts von Bel Ami wissen. Gegen Ende ihres Lebens kehrte sie jedoch zur Überraschung vieler zu dem Lied zurück und nahm es in ihr Repertoire für Hunderte von Konzerten auf. Auf die Frage, warum sie immer wieder zu diesem zutiefst traumatischen Moment zurückkehrte, der ihr Schicksal bestimmt hatte, beschrieb Esther ihre Darbietung von Bel Ami als einen Akt der Rache. Für sie war das Lied ein Symbol dafür geworden, dass sie die albtraumhafte Erfahrung, von Nazi-Deutschland buchstäblich instrumentalisiert worden zu sein, überwunden hatte.
Welche Handlungsmöglichkeiten haben Künstler*innen und Musiker*innen in Zeiten von Massensterben und Repression? Ein Jahrhundert nach der Geburt von Esther Bejarano reflektiert A Song for Esther die anhaltende Wirkung ihres widerständigen Vermächtnisses — sowohl als Aktivistin als auch als Musikerin — für die Gegenwart. Als Künstlerin kann man sich das Instrument oder das zu spielende Lied nicht immer aussuchen. Und doch birgt der Moment der Aufführung ein politisches sowie ein kreatives Potenzial. Angesichts des weltweit erstarkenden Faschismus bietet A Song for Esther einen flüchtigen Ort für verkörperten Widerstand.
Mit dabei sind Peaches, Ebow, Lie Ning, Rasha Nahas, Daniel Kahn, Malonda, Chicks on Speed / Jeremiah Day, Dornika, Polly Ott, Aeham Ahmad, Lili Sommerfeld, Dejan Jovanović und Oana Cătălina Chiţu, Die Anstalt, Ensemble Lebedik, das Sialan String Quartet sowie – als besondere Gäste des Abends – Joram Bejarano und Kutlu Yurtseven von Microphone Mafia, der Hip-Hop-Band, die über tausend Konzerte mit Esther gespielt hat (das letzte davon nur wenige Wochen vor ihrem Tod im Alter von 96 Jahren). Alle Musiker*innen spielen eine eigene Interpretation des Liedes Bel Ami.
A Song for Esther wurde im Dialog mit der Familie Bejarano geplant.
Candice Breitz
A Song for Esther
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Candice Breitz © Daria Kulnina
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Esther Bejarano © Susanne Brill
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LIE NING © Daria Kulnina
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Daniel Kahn © Daria Kulnina
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Sialan String Quartet © Daria Kulnina
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Lili Sommerfeld © Daria Kulnina
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Jeremiah Day © Daria Kulnina
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Chicks on Speed © Daria Kulnina
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Dornika © Daria Kulnina
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Die Anstalt © Daria Kulnina
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Aeham Ahmad © Daria Kulnina
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Dejan Jovanović + Oana Cǎtǎlina Chiţu © Daria Kulnina
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Malonda © Daria Kulnina
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Peaches © Daria Kulnina
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Joram Bejarano + Microphone Mafia © Daria Kulnina
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Joram Bejarano + Microphone Mafia © Daria Kulnina
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Biografie
Candice Breitz wurde 1972 in Johannesburg geboren und ist eine in Berlin lebende Künstlerin. Ihre Bewegtbildinstallationen wurden international ausgestellt. Im Laufe ihrer Karriere hat Breitz die Dynamiken untersucht, durch die ein Individuum in Beziehung zu einer größeren Gemeinschaft zu sich selbst findet, sei es die unmittelbare Gemeinschaft, der man in der Familie begegnet, oder die realen und imaginären Gemeinschaften, die nicht nur durch Fragen der nationalen oder ethnischen Zugehörigkeit, des Genders und der Religion geprägt sind, sondern auch durch den zunehmend unbestreitbaren Einfluss der Mainstream-Medien wie Fernsehen, Kino und soziale Medien.
Termine
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- 04.10.2025
19:30 – 21:30 - Kampnagel
- Konzert / Performance
A Song for Esther
Candice Breitz - 04.10.2025
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- 04.10.2025
17:30 – 18:30 -
Mahnmal gegen Faschismus
Kampnagel - Gespräch
Memorial against Fascism Yesterday and Today
Gespräch mit Candice Breitz, Esther Shalev-Gerz & Joanna Warsza - 04.10.2025
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- 02.10.2025
17:00 – 19:00 -
Mahnmal gegen Faschismus
Kunstverein Harburger Bahnhof
Kampnagel - Performative Aktivierung
Performative Aktivierung des Mahnmals gegen Faschismus
mit Esther Shalev-Gerz - 02.10.2025