Ina Wudtke & ARCA e.V.
FASIA

Die Künstlerin Ina Wudtke legt in ihrer Arbeit Spuren der Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland frei und erinnert multidirektional an vergangene sowie gegenwärtige antirassistische Kämpfe. Für die ortsspezifische Arbeit FASIA aktiviert sie Archivmaterial, wie beispielsweise Songs, Texte und Fotos von Fasia Jansen (1929–1997), Hilarius Gilges (1909–1933) und Joseph Ekwe Bilé (1892–1959), die im Kontext der Arbeiter*innenbewegung gegen Rassismus und Kolonialismus in Deutschland aktiv waren. Das Ausstellungsprojekt FASIA umfasst einen Banner an der Außenfassade des Fux eG-Gebäudes sowie die Installation mit dem Titel Black Lives Audio Triptych in der Fasiathek.

Fasia Jansen war die Tochter von Elli Jansen und Momulu Massaquoi, dem damaligen liberianischer Generalkonsul in Hamburg. Fasia wuchs bei ihrer Mutter und deren Mann Albert in einem kommunistischen Haushalt im Arbeiter*innenviertel Rothenburgsort auf. Als schwarze Deutsche wurde sie im Alter von 15 Jahren gezwungen, in einer Außenstelle des KZ Neuengamme zu arbeiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sie sich in der Ostermarschbewegung, in den Arbeitskämpfen im Ruhrgebiet und in der Frauenbewegung gegen Rassismus und Krieg.

Das Black Lives Audio Triptych besteht aus drei inszenierten Audioselbstporträts von Fasia Jansen, Hilarius Gilges und Joseph Ekwe Bilé und wird während der gesamten Ausstellungsdauer in den Räumen der Fasiathek hörbar sein. Bei der Auswahl der Sprecher*innen – Jasmin Eding, Jeanne Ange Wagne und Kofie Bouchie aka Kofie da Vibe – stand für Ina Wudtke deren aktuelles gesellschaftliches Engagement im Vordergrund, das als Fortführung der politischen Arbeit der jeweiligen Protagonist*innen verstanden wird.

Biografie

Ina Wudtke ist eine in Berlin lebende Künstlerin, deren forschungsbasierte Arbeit die vorherrschenden politischen Narrative über Arbeit, Geschlecht, Wohnen und koloniales Erbe in Frage stellt. Zusammen mit Dieter Lesage schrieb sie das Buch Black Sound White Cube (Wien, Löcker Verlag, 2010). Im Rahmen der Ausstellung Black Sound White Cube 2011 wurde ihre LP The Fine Art of Living veröffentlicht. 2018 erschien unter diesem Titel auch ihr Buch über ihre künstlerischen Arbeiten zur Wohnungsfrage von 2008-2018 bei Archive Books. Sie hat international ausgestellt und war Gründungsmitglied des queer-feministischen Künstler:innenkollektivs NEID. 2018-2021 war sie künstlerische Mitarbeiterin der documenta-Professorin Dr. Nora Sternfeld an der Kunsthochschule Kassel. Die Publikation Arbeiterschriftsteller:innen. Von MASCH bis Greif zur Feder (Berlin, Motto Books, 2022) bietet einen Überblick ihrer Werke mit Bezug zur Arbeiter:innenbewegung. Im Jahr 2024 wurde sie mit dem Max Kade / Charlotte M. Craig Fellowship der Rutgers The State University of New Jersey ausgezeichnet.

ARCA – Afrikanisches Bildungszentrum e.V. ist eine 2009 gegründete Organisation mit Sitz in Hamburg, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Leben von Menschen afrikanischer Herkunft, schwarzen Deutschen und Angehörigen der afrikanischen Diaspora, insbesondere Frauen*, positiv zu verändern – sie zu empowern, ihre Perspektiven sichtbar zu machen und sie darin zu stärken, als aktiv handelnde Subjekte wahrgenommen zu werden. Mit ihrer Arbeit setzt sich ARCA für mehr Vielfalt in der Gesellschaft ein, damit alle Menschen Gehör finden, nicht nur diejenigen, die über Geld oder Macht verfügen.

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