Timo Nasseri
Unknown Letters

Timo Nasseris Unknown Letters ist inspiriert vom Leben des berühmten Kalligrafen Ibn Muqla (885–940, Bagdad), der im 10. Jahrhundert versuchte, dem arabischen Alphabet vier neue Buchstaben hinzuzufügen. Diese erfundenen Zeichen gingen verloren und wurden nie in das Alphabet aufgenommen, doch Ibn Muqlas Prinzipien der Proportionen prägen die arabische Kalligrafie bis heute. In den klassischen proportionalen Schriften der arabischen Kalligrafie wird die Größe und Form jedes Buchstabens durch eine festgelegte Anzahl rautenförmiger (rhombischer) Punkte bestimmt, die sowohl mathematisch als auch visuell das Verhältnis der Buchstaben zueinander definieren. Diese Buchstaben werden stets in Bezug zueinander gesetzt und in einer der sechs proportionalen Schriften geschrieben: naskh, thuluth, muhaqqaq, rayhani, tawqi‘ und riqa‘.

„Ibn Muqla könnte die Form der verlorenen Buchstaben an den Sternen orientiert haben“, sagt Nasseri, der die möglichen Sternbilder des Nachthimmels über Bagdad im 10. Jahrhundert erforschte. Auf dieser Grundlage entwickelte er seine eigenen Darstellungen der vier Buchstaben, die in den Nischen des Planetariums zu sehen sind. Während die arabische Kalligrafie auf einer präzisen Abgrenzung des Raums beruht, fügt sein Werk eine zeitliche Dimension hinzu: Es verbindet eine imaginierte Version des Himmels über dem Nahen Osten vor Jahrhunderten mit dem Himmel, den wir heute über Europa betrachten können. Und wenn Buchstaben gewöhnlich Denkmäler schmücken, so ist Unknown Letters ein Denkmal für die Kalligrafie selbst.


Timo Nasseri wurde 1972 als Sohn eines iranischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren und lebt heute in Berlin. Er erforscht die materiellen und immateriellen Dimensionen von Mathematik, Architektur, Geometrie, islamischen Mustern und der persischen Kultur.


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