Die Künstlerin fotografierte die Einbände von Büchern, die während des Nationalsozialismus als „undeutsch" galten, und daraufhin verboten und vernichtet wurden. 1933 fanden in ganz Deutschland, auch in Hamburg, Bücherverbrennungen statt. Viele dieser Druckwerke entstanden Mitte der 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre und zeugen von der außergewöhnlichen künstlerischen und literarischen Vielfalt der Weimarer Republik – darunter Helene Stöckers Liebe, gestaltet von John Heartfield, oder Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz mit einem Umschlagentwurf von Georg Salter. Ihre Autor*innen wurden verfolgt, weil sie jüdisch waren oder ihre Werke jüdische Kultur, politischen Widerspruch, Sozialdemokratie, Frauenrechte, Homosexualität, Pazifismus, Internationalismus oder die Avantgarde vertraten.
Indem der Blick auf die einzelnen Bücher als dem Feuer entronnen Objekte und stille Zeugen ihrer Zeit richtet, ist die Installation nicht nur eine Reflexion über die Vergangenheit, sondern auch eine Meditation zur Gegenwart. Kelm erinnert daran, dass die Verteidigung von Vielfalt und Freiheit mit dem Schutz der Zirkulation von Ideen, kulturellen Gütern, Stimmen und Geschichten beginnt, die gesellschaftliche Pluralität widerspiegeln. Angriffe auf Literatur, Kunst und Gedankengut können Angriffen auf Menschen vorausgehen. Wie entscheiden Gesellschaften, welches oder wessen Wissen legitim ist? Welche Stimmen werden in unserer Gegenwart marginalisiert oder zum Schweigen gebracht und wie können wir dies gemeinsam verhindern?
Gezeigt wird hier eine Auswahl von 12 Fotografien von Bucheinbänden (aus insgesamt 104), die Teil der Sammlung der Hamburger Kunsthalle sind. So kehren Die Bücher symbolisch in den öffentlichen Raum zurück, aus dem sie einst gewaltsam entfernt wurden.
Annette Kelm (*1975) wurde in Stuttgart geboren und lebt in Berlin.
Präsentiert in Zusammenarbeit mit der Hamburger Kunsthalle und Esther Schipper.
Annette Kelm
Die Bücher
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Annette Kelm, Die Bücher, 2019–2021 © Daria Kulnina
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Annette Kelm, Die Bücher, 2019–2021 © Daria Kulnina
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Annette Kelm, Die Bücher, 2019 © Daria Kulnina
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Annette Kelm, Die Bücher, 2019–2021 © Daria Kulnina
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Annette Kelm, in front of, Annette Kelm, Die Bücher, 2019–2021 © Daria Kulnina
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© Annette Kelm, Helene Stöcker, Liebe, 1927, Verlag der Neuen Generation, Berlin-Nikolassee, Einbandgestaltung John Heartfield, 2019. Archival pigment print 70 x 52.5 cm. Courtesy the artist and Esther Schipper.
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© Annette Kelm, Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf, 1931S. Fischer Verlag, Berlin, Einbandgestaltung Georg Salter, 2019
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© Annette Kelm, Stefan Zweig, Der Flüchtling. Episode vom Genfer See, 1927 Bücherlotterie der internationalen Buch-Kunst-Ausstellung, Leipzig, Band 1, 2019
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© Annette Kelm, Kurt Tucholsky, Lerne lachen ohne zu weinen, 1931, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, Fotografie Wellington Film Manufacture, 2019
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© Annette Kelm, Bertolt Brecht, Mann ist Mann. Die Verwandlung des Packers Galy Gay in den Militärbaracken von Kilkoa im Jahre 1925, 1926 Propyläen-Verlag im Ullsteinhaus, Berlin, 2019
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© Annette Kelm, Vicki Baum, Stud. chem. Helene Willfüer, 1928 Ullstein Verlag, Berlin, 2019
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© Annette Kelm, Maria Leitner, Eine Frau reist durch die Welt, 1932 Agis-Verlag, Berlin/Wien, Einbandgestaltung Tom Berlie, 2019
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© Annette Kelm, Kurt Hiller, §175: Die Schmach des Jahrhunderts, 1922 Paul Steegemann Verlag, Hannover, 2019
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© Annette Kelm, Wera Inber, Der Platz an der Sonne, 1930 Autorisierte Übersetzung aus dem russischen Manuskript von Elena Frank, Malik-Verlag, Berlin, Einbandgestaltung John Heartfield, 2020
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© Annette Kelm, Erika Mann, Stoffel fliegt übers Meer, 1938 Herold Verlag R. & E. Lenk, Stuttgart, Einbandgestaltung Richard Hallgarten, 2019
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© Annette Kelm, Egon Erwin Kisch, Hetzjagd durch die Zeit, 1926 Erich Reiss Verlag, Berlin, Einbandgestaltung Hanns Th. Hoyer, 2019
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© Annette Kelm, Walter Benjamin, Einbahnstrasse, 1928 Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, Einbandgestaltung Sasha Stone, 2019
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