Mikołaj Sobczak
Solar Peasants

Video, Mikołaj Sobczak, Solar Peasants, 2025 © Lashproduction

„Wäre ich kein Künstler, wäre ich Historiker geworden“, sagt Mikołaj Sobczak über sich, dessen Mosaik eine explosionsartige Lesart der Geschichte der Allgemeingüter vorschlägt. Im Mittelpunkt stehen dabei die deutschen Bauernkriege mit der ersten Forderung nach gleichberechtigtem und gerechtem Zugang zu gemeinsamen Ressourcen auf dem europäischen Kontinent. Eine andere Ebene zeigt eine Milpa – eine indigene Anbaumethode, bei der sich Mais, Bohnen und Kürbis gegenseitig im Wachstum unterstützen und die Fruchtbarkeit des Bodens fördern. Diese Praxis der amerikanischen Ureinwohner*innen ist auch als Drei Schwestern bekannt und erinnert an Anton Tschechows Theaterstück, in dem die Charaktere sich danach sehnen, ihren Lebensumständen zu entfliehen. Die astrologischen Siegel, irdischen Elemente und kosmischen Rhythmen erscheinen neben den zeitgenössischen Symbolen der brasilianischen Bewegung der Landarbeiter*innen ohne Boden und den Szenen des Abbaus von Metall- und Seltenen Erden, die auf Techno-Feudalismus und die Ausbeutung des Planeten durch Konzernmilliardäre anspielen.  

Sind wir in unserer irdischen Existenz wie ein Ouroboros – eine Schlange, die ihren eigenen Schwanz verschlingt, in einem fortwährenden Kreislauf aus Zerstörung und Erneuerung? Im Zentrum des Werkes strahlt der „abgetrennte Kopf“ von Thomas Müntzer, dem ermordeten Anführer des Bauernaufstands, einen regenbogenfarbenen Heiligenschein aus. Es ist ein Zeichen der Hoffnung, dass nach alchemistischer Tradition selbst das schlimmste Gift in ein Heilmittel verwandelt werden kann, wenn man dafür bereit ist. 


Mikołaj Sobczak wurde 1989 in Posen geboren und lebt und arbeitet in Düsseldorf und Warschau.


Präsentiert mit Unterstützung des Polnischen Instituts in Berlin.

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