Saodat Ismailova
Melted into the Sun

Installation Melted into the Sun, 2026
Die Installation der uzbekischen Künstlerin Saodat Ismailova kreist um die zentralasiatische Geschichte des Zoroastrismus und der Sonnenverehrung, die dort über viele Jahrhunderte hinweg praktiziert wurden. Ihre Installation nimmt Bezug auf ein Spiegelspiel, das der zoroastrische Alchemist und Meister optischer Täuschungen Al-Muqanna im 8. Jahrhundert mit Hunderten von Menschen inszenierte und dabei einen Bogen vom Kosmos zur Gemeinschaft spannte. Einer der größten Solarschmelzöfen der Welt, der sich in der Nähe von Taschkent befindet, besteht ebenfalls aus Millionen kleiner Spiegel, die so angeordnet sind, dass sie das Sonnenlicht einfangen und bündeln. Heute setzen wir auf die Sonne als Hoffnungsträgerin für eine nachhaltigere Zukunft. 

Ismailovas Kunstwerk, sowie der dazugehörige Film, setzt sich mit einer solaren Vorstellungswelt auseinander, die von Mythos, Zeit, Ideologie, Geschichte, Katastrophe und Ökologie geprägt ist. Der Spiegel wird dabei zu einem vielschichtigen Symbol: Er spiegelt das menschliche Verlangen nach Beziehung und Idealisierung wieder, aber auch nach Besitz und Zerstörung. Die Sonne ist großzügig, sie „gibt, ohne etwas zurückzuerhalten“, und doch wird auch sie eines Tages aufhören zu existieren. Bevor dieser Moment eintritt, stellt sich die Frage, ob die Menschheit eine Welt der „Solarität“ erschaffen kann, eine gerechtere und stärker auf den gesamten Planeten ausgerichtete Gesellschaft. 

Film Melted into the Sun, 2024
Der Film handelt von der legendären Figur al-Muqanna, der im 8. Jahrhundert in Zentralasien als Alchemist, Illusionist, Prediger und Prophet lebte. Als Zoroastrier verehrte er die Sonne und glaubte an Solarpolitik, eine Politik, die eine gerechte Gesellschaft jenseits menschlicher Hierarchien hervorbringen könne. Sein Gesicht war stets verschleiert, so wie man niemals direkt in die Sonne blicken kann, und wird so zu einer Projektionsfläche. Arabische Historiker bezeichneten ihn als Scharlatan, während die Sowjets ihn als Vordenker eines Proto-Sozialismus deuteten. 

Verknüpft durch die Legende des al-Muqanna, bewegt sich der Film durch Zeit und Raum vom Fluss Amu Darya über Chillpiq und Buchara bis zur zoroastrischen Festung Kafir-Kala. Er durchquert die Vorgeschichte, die islamische Epoche, die sowjetisch-usbekische Ingenieurskunst mit ihrem spektakulären Sonnenofen und schließlich die gegenwärtige hyperkaptialistische Zeit. Durch eine zyklische Geschichtsbetrachtung wird al-Muqanna neu gedacht: als eine durch die Zeit reisende Figur, geformt von Mythos, Ideologie und den politischen Erzählungen rund um die Sonne. Denn auch wenn die Sonne uns Menschen als konstant erscheinen mag, wird sie eines Tages explodieren. Aber werden wir bis dahin jemals in der Lage sein, eine gerechte, planetare Gesellschaft zu errichten?  

Dauer: 35:50 Min.
Im Auftrag und produziert von der Fondazione In Between Art Film, in Koproduktion mit dem Batalha Centro de Cinema Porto für die Ausstellung Nebula 2024. Courtesy: Kunstlerin und Fondazione In BetweenArt Film.


Saodat Ismailova ist geboren 1981 in Taschkent, heute lebt sie abwechselnd in Paris und Taschkent.

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