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- Baakenhafen
20457 Hamburg
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Baakenhafen (Blick auf den Baakenpark) © Foto Liz Rech
Hamburg als „Tor zur Welt“ war intensiv in den kolonialen Handel verstrickt und profitierte in der Kolonialzeit von Ausbeutungsverhältnissen. Diese Verschränkung wird am Baakenhafen besonders deutlich – und ist dort trotzdem auf ganz besondere Art unsichtbar. Denn der Baakenhafen in Hamburg existiert als wichtiger postkolonialer Denkmalort bislang überhaupt nicht. Und das obwohl er die „logistische Drehscheibe für den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts”, den Völkermord an den Herero und Nama im heutigen Namibia darstellt.
Im Aufstand der Herero am 11. Januar 1904 erhoben sie sich gegen Kolonialsoldaten in Deutsch-Südwestafrika. Hamburger Unternehmer und Reeder baten daraufhin das Kaiserreich um „Schutz“ und lösten so den Genozid aus. Unter Lothar von Trotha töteten deutsche Truppen im bis 1908 andauernden Krieg etwa 65.000 Herero und 10.000 Nama.
Der Hamburger Baakenhafen spielte eine zentrale Rolle als Logistikort: Am südlichen Ufer des Baakenhafens – dem Petersenkai – konzentrierten sich Hamburger Reedereien, die Schiffslinien rund um den afrikanischen Kontinent betrieben. Bis 1906 transportierte die Woermann-Linie von hier 14.000 Soldaten und 11.000 Pferde ins Kriegsgebiet. Die Truppen landeten an den „Landungsbrücken“ in Swakopmund / Namibia.
Der Baakenhafen diente bei den Truppenverabschiedungen als Bühne für eine Inszenierung des Kaiserreichs als Kolonialmacht. Die Feiern waren geprägt von Musik, Reden, Gastronomie und der Verteilung von sogenannten „Liebesgaben“ auf Kosten des Senats. Tausende jubelnde Zuschauer:innen versammelten sich an den Ufern. Diese Festkultur nutzten Senat und Militär, um ihre Rolle in der Kolonialpolitik zu demonstrieren.
Ungeachtet der Bedeutung des Erbes und obwohl sich der Senat vor zehn Jahren zur Aufarbeitung verpflichtet hat, gibt es am Baakenhafen keinen Hinweis auf die Geschichte des Ortes. Trotz der Bemühungen von Opferverbänden fehlt die Verankerung des Genozids im kollektiven Gedächtnis der Stadt. Es drängt sich der Verdacht auf, dass weder die Öffentlichkeit, noch die HafenCity GmbH, noch der Senat an Sichtbarkeit interessiert sind. Den geplanten Opernbau am Baakenhafen bezeichnet Kim Todzi zurecht als „Koloniale Amnesie“.
Gekürzte Fassung des Beitrags von Liz Rech: Baakenhafen / Das Denkmal, das noch nicht da ist, erschienen in: Monuments, Documents, Moments – How Common is Public Art?, hrsg. Prof. Dr. Nora Sternfeld, Art Education, HFBK, in Kooperation mit Joanna Warsza, Hamburg 2025, S. 30-32.
Die Kürzung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Autorin.