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Am 4. Oktober 2025 würdigte auf Einladung der Berliner Künstlerin Candice Breitz ein außergewöhnliches Line-up von Musiker*innen die unermüdliche antifaschistische Aktivistin und Musikerin Esther Bejarano. Bejarano war 1924 als Esther Loewy in eine jüdische Familie im Saarland geboren worden und wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt gewesen. Nach dem Holocaust fand sie in Hamburg eine neue Heimat. A Song for Esther war ein Akt des Gedenkens, der ganz im Zeichen ihrer Abwesenheit stand – ein vergängliches Mahnmal in Form eines Konzerts.
Mit dabei waren Peaches, Ebow, Lie Ning, Rasha Nahas, Daniel Kahn, Malonda, Chicks on Speed / Jeremiah Day, Dornika, Polly Ott, Aeham Ahmad, Lili Sommerfeld, Dejan Jovanović und Oana Cătălina Chiţu, Die Anstalt, Ensemble Lebedik, das Sialan String Quartet sowie – als besondere Gäste des Abends – Joram Bejarano und Kutlu Yurtseven von Microphone Mafia, der Hip-Hop-Band, die über tausend Konzerte mit Esther gespielt hatte (das letzte davon nur wenige Wochen vor ihrem Tod im Alter von 96 Jahren).
Mit 18 Jahren war Esther nach Auschwitz-Birkenau deportiert worden. Sie begriff sofort, dass die brutale Schwerstarbeit, zu der sie gezwungen worden war, ganz auf ihre Auslöschung abzielte. Als sie für die Mitwirkung im Mädchenorchester des Vernichtungslagers vorgeschlagen worden war, sah sie eine Möglichkeit, dem sonst sicheren Tod zu entkommen. Wie Esther später erklärte, verdankte sie ihr Überleben letztendlich dem Umstand, dass sie der Dirigentin des Orchesters ein bestimmtes Lied vorspielen konnte. Während der unvorstellbar düsteren Aufnahmeprüfung sollte sie beweisen, dass sie den zuckersüßen Kriegsschlager Bel Ami auf dem Akkordeon beherrschte – einem Instrument, das sie noch nie zuvor gespielt hatte. Aus purer Verzweiflung quetschte Esther mithilfe ihrer Klavierkenntnisse das eingängige Lied aus dem Akkordeon.
Nach dem Holocaust wollte Esther siebzig Jahre lang nichts von Bel Ami wissen. Gegen Ende ihres Lebens kehrte sie jedoch – zur Überraschung vieler – zu dem Lied zurück und nahm es in ihr Repertoire für Hunderte von Konzerten auf. Auf die Frage, warum sie immer wieder zu diesem zutiefst traumatischen Moment zurückkehrte, der ihr Schicksal bestimmt hatte, beschrieb Esther ihre Darbietung von Bel Ami als einen »Akt der Rache.« Für sie war das Lied ein Symbol dafür geworden, dass sie die albtraumhafte Erfahrung, von Nazi-Deutschland buchstäblich instrumentalisiert worden zu sein, überwunden hatte.
Welche Handlungsmöglichkeiten hatten Künstlerinnen und Musikerinnen in Zeiten von Massensterben und Repression? Ein Jahrhundert nach der Geburt von Esther Bejarano reflektierte A Song for Esther die anhaltende Wirkung ihres widerständigen Vermächtnisses – sowohl als Aktivistin als auch als Musikerin – für die Gegenwart. Als Künstler*in konnte man sich das Instrument oder das zu spielende Lied nicht immer aussuchen. Und doch barg der Moment der Aufführung ein politisches sowie ein kreatives Potenzial. Angesichts des weltweit erstarkenden Faschismus bot A Song for Esther einen flüchtigen Ort für verkörperten Widerstand. Am Abend des Konzerts spielten alle beteiligten Musikerinnen und Bands einen einzigen Song, der nichts mit ihrem üblichen Repertoire zu tun hatte.
A Song for Esther war im Dialog mit der Familie Bejarano geplant worden.
Der Abend war kuratiert von Laro Bogan und Joanna Warsza.
A Song for Esther – ein von Candice Breitz konzipiertes Konzert – ist Teil einer fortlaufenden Reihe performativer »Gegen-Denkmäler«, die von der Hamburger Stadtkuratorin Joanna Warsza initiiert wurde. Das Konzert orientiert sich an einem bestehenden Gegen-Denkmal, das einen überzeugenden Präzedenzfall darstellt. 1986 errichteten Esther Shalev-Gerz und Jochen Gerz in Hamburg-Harburg ein Mahnmal gegen Faschismus. Über die Jahre wurde der zwölf Meter hohe Obelisk langsam in den Boden versenkt und verschwand schließlich im Jahr 1993 komplett. Heute erinnert die bewusste Abwesenheit des Denkmals an seinem ursprünglichen Standort daran, dass Denkmäler uns nicht vor Faschismus schützen können. Nur durch Wachsamkeit, fortlaufende Solidarität und vor allem Standhaftigkeit kann dem Wiederaufleben des Faschismus Einhalt geboten werden.
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