(NOT A) COMMON GROUND / IF THE BONES COULD SPEAK
Liz Rech & Camissa Create

Das ortsspezifische Projekt von Liz Rech und Camissa Create (NOT A) COMMON GROUND / IF THE BONES COULD SPEAK lädt das Publikum in gemeinsamen performativen Walks dazu ein, sich mit dem kolonialen Erbe und dem Hamburger Baakenhafen als post-kolonialem Gedenkort auseinanderzusetzen und sich neue Formen der transnationalen Aufarbeitung vorzustellen. Das Projekt überführt beunruhigendes Erbe und intime Vergangenheiten in das öffentliche Gedächtnis der Stadt und eröffnet einen Raum der unbehaglichen Gemeinsamkeit/en.

PROGRAMMHEFT

Infos

Wenige Resttickets ggf. hier und an der Abendkasse Kampnagel Sommerfestival
Besondere Ticketkontingente für BIPoC-Communities
(bitte kurze Mail an notcommonground@protonmail.com)

Termine & Uhrzeiten

Donnerstag, 13.8., 19:00:
Performance Walk (Premiere)

Freitag, 14.8., 19:00:
Performance Walk. Künstler*innengespräch mit Joanna Warsza im Anschluss an die Vorstellung um 21:15 (auf Englisch)

Samstag, 15.8., 17:00:
Performance Walk

Sonntag, 16.8., 16:00:
Performance Walk


Treffpunkt: Foyer im KreaTiefgeschoss, Versmannstraße 32 (Hafenseite), 20457 Hamburg
Dauer: ca. 2 Stunden
Sprachen: Englisch & Deutsch

Content Notes: Reproduktion und kritische Bearbeitung kolonialer Inhalte (wie z.B. binäre Geschlechterrollen, Zitate, Körperhaltung, u.v.a.), Rassismus, Völkermord, Sklaverei, Nationalismus, (Lokal)Patriotismus, Militarismus, menschliche Knochen und ancestral remains.
Sensorische Reize: Rauch, Feuer, echtes Pferd
Akustische Reize: Erhöhte Lautstärke durch den Einsatz von Horninstrumenten, Klassismus
Das Projekt hat ein begleitendes Konzept zu Awareness, Barrierefreiheit + Diskriminierungskritik entwickelt. Dazu finden Sie hier ausführliche Informationen.

Kinderbetreuung: Zeitgleich zu den Performances am Samstag und Sonntag wird in unmittelbarer Nähe ein kostenloses Naturerlebnissprogramm für Kinder und Jugendliche stattfinden, um Personen mit Careverpflichtung einen Vorstellungsbesuch zu ermöglichen. 

Naturerlebnisprogramm für Kinder
Pflanzen reisen – als Samen im Gepäck von Schiffen, als Handelsware, als Spuren ferner Länder. Der Kolonialismus hat die Pflanzenwelt weltweit verändert, und rund um den Baakenhafen wachsen bis heute Zeugnisse dieser Geschichte. Gemeinsam mit den Kindern gehen wir auf Spurensuche: Welche Pflanzen wachsen hier? Woher stammen sie? Und welche Geschichten erzählen sie?
Samstag 16:45–19:15 Uhr | 9–13 Jahre
Sonntag 15:45–18:15 Uhr | 4-8 Jahre
Treffpunkt: Versmannstraße 60 (unten am Wasser)
Anmeldung bitte über hafencity@loki-schmidt-stiftung.de
Ein kostenloses Angebot der Loki Schmidt Stiftung.
Pädagogische Betreuung: Megan Auer & Rieke Lenz

Über das Projekt

Die namibisch-südafrikanisch-deutsche Koproduktion (NOT A) COMMON GROUND/ IF THE BONES COULD SPEAK setzt sich mit dem Hamburger Baakenhafen als wichtigem postkolonialem Gedenkort auseinander. Widersprüchliche kollektive Erinnerungen werden wechselseitig geteilt und kommentieren sich gegenseitig. (Teil-)Reenactments, Installationen und performative Interventionen machen die Kolonialgeschichte sichtbar und bilden ein temporäres Monument, das unterschiedliche Perspektiven auf den Erinnerungsort eröffnet.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der politischen Inszenierung und der kolonialen „Eventkultur“, die die Verabschiedung der sogenannten „Schutztruppen“ am Baakenhafen begleitete, die 1904–1907 unter dem Kommando von Lothar von Trotha im heutigen Namibia (damals „Deutsch-Südwestafrika“) einen Genozid an den Volksgruppen der Herero und Nama verübten. Das Projekt versteht sich als performativer Beitrag zu einem Diskurs, der aktuell die kultur- und erinnerungspolitische Debatte in Hamburg prägt. Dies geschieht in Kooperation mit vielen Initiativen vor Ort, um die Community rund um den Baakenhafen aktiv miteinzubeziehen. 

Im Rahmen einer gemeinsamen künstlerischen Recherche kooperieren Liz Rech und (NOT A) COMMON GROUND mit dem multidisziplinären Performance-Projekt IF THE BONES COULD SPEAK, einer südafrikanisch-namibischen Koproduktion von Camissa Create unter der Leitung von Luke de Kock. IF THE BONES COULD SPEAK folgt der Spur der human remains, die während der deutschen Kolonialzeit und der darauffolgenden Apartheid aus dem südlichen Afrika verschleppt wurden und von denen viele noch immer in europäischen und südafrikanischen Institutionen aufbewahrt werden.

Durch Performance und Klanginstallation sowie der Verbindung von historischer Forschung, oral history und dem Austausch mit betroffenen Communities hinterfragt das Projekt hegemoniale Narrative der Restitution und rückt die Perspektiven der betroffenen Gemeinschaften ins Zentrum. 

(NOT A) COMMON GROUND / IF THE BONES COULD SPEAK lädt dazu ein, sich neue Formen der transnationalen Aufarbeitung vorzustellen. Verschiedene Orte am Baakenhafen werden im Rahmen eines rund zweistündigen gemeinsamen performativen Walks (in englischer und deutscher Sprache) mit dem Publikum abgelaufen. Das Projekt überführt beunruhigendes Erbe und persönliche Geschichten in das öffentliche Gedächtnis der Stadt und eröffnet so einen Raum der unbehaglichen Gemeinsamkeit/en.  

(NOT A) COMMON GROUND / IF THE BONES COULD ist Teil der Programmreihe
Gegen-Denkmäler der Stadtkuratorin Hamburg. Im Kern der Reihe steht die Frage, wie wir uns kritisch, sensibel und zeitgemäß mit dem öffentlichen Raum auseinandersetzen können, sodass sich die Vielstimmigkeit und die unterschiedlichen Lebenserfahrungen unserer postmigrantischen Gesellschaft darin spiegeln. Mehrere der Projekte widmen sich der Pflege und der Instandhaltung der Orte, dies in Zusammenarbeit mit der Behörde für Kultur und Medien Hamburg. 

Credits

Künstlerisches Konzept: Liz Rech / Camissa Create 
Beteiligte Künstler*innen: Celina Abba, Ariane Andereggen, Glen Arendse, Memory Biwa, Cabañero, Lucy Campbell, Daniel Dominguez Teruel, Nikola Duric, Fahnenschwinger Konstanz e.V. (Svenja Freimoser, Alexandra Mennel), Ted Gaier, Heinrich Horwitz, Janis Jirotka, Luke De Kock, Kajan Luc, Robert Machiri, Trixie Munyama, Jameela Mupia, David Odiase, Haymich Olivier, Shield and Shine Special Forces, Liz Rech, Till Wolfer u.a.
Musikalische/akustische Inszenierungsstrategien: Daniel Dominguez Teruel
Künstlerische Recherche: Janis Jirotka
Produktionsleitung: Anne Mager / Raé Classen 
Produktionsassistenz: Rbqa Renz
Regieassistenz: Linda Lou Dierich-Matzke
Hospitanz: Eva Rost
Redaktion und Öffentlichkeitsarbeit: Immaculata Hiền Thơ Nguyễn 
Grafik: Franziska Bergner, Nelson Kinalele
Technische Leitung: Felix Jung 
Technische Assistenz: Felipe González Castillón
Design floating objects: Till Wolfer
Horsework: Lene Husch (Abraxah) 
Ausstattung / Styling: Fridericke Becker
Ausstattungsassistenz: Jan Almstadt
Community Outreach: Jameela Mupia 
Awareness und Diskriminierungskritik: Saman A. Sarabi
Outside Eye für Dekoloniale Kunstproduktion / Access-Koordination: Zwoisy Mears-Clarke
Beratung zur Barrierefreiheit: Kerstin Hagemann, KulturPerlen.hamburg
Photography: Maischa Souaga
Videography: Peter Ott

(NOT A) COMMON GROUND / IF THE BONES COULD SPEAK ist Teil der Programmreihe Gegen-Denkmäler der Stadtkuratorin Hamburg und findet in Kooperation mit dem Internationalen Sommerfestival Kampnagel, der Baakenhafen-AG, dem MARKK Museum am Rothenbaum Kulturen und Künste der Welt und dem Hamburger Architektursommer statt.

Das Projekt ist gefördert durch den Hamburger Elbkulturfonds, die Behörde für Kultur und Medien, den Fonds Darstellende Künste und die Loki Schmidt Stiftung und den Proberaumfonds des Dachverbands freie darstellende Künste Hamburg (DfdK).

Mit freundlicher Unterstützung der Probebühne im Gängeviertel, EDGE Hafencity Hamburg, KreaTiefgeschoss & Hochgenuss, Toplicht sowie der Quarterpipe und des betahaus-HafenCity.

Code of Conduct

Das Team der Performance tritt dafür ein, dass der Baakenhafen als temporärer Performanceraum ein maximal möglicher diskriminierungsfreier, sicherer und gewaltfreier Ort ist, an dem alle einen fairen, wertschätzenden und respektvollen Umgang miteinander pflegen. 

Wir sehen es als unsere gesellschaftliche Verantwortung, Räume zu schaffen, die für alle zugänglich und möglichst sicher sind. Dies ist kein Zusatz, sondern zentraler Bestandteil unserer Arbeit als künstlerisches Projekt in unserer Zeit.

Wir zeigen klare Haltung gegen jegliche Form von:
Queer- und trans*feindlichkeit
Rassismus
Antisemitismus
Klassismus
Ableismus
Sexismus
Bodyismus
u.v.a.
und darin alle sich gegenseitig verstärkenden Formen von Diskriminierungen und Ausschlüssen.

Note:
Die Aufzählung ist beispielhaft und die Reihenfolge entspricht keiner Hierarchie. Vielmehr sind die einzelnen Beispiele als miteinander verschränkt und intersektional zu verstehen.

Teaser: Liz Rech & Camissa Create: (NOT A) COMMON GROUND / If the bones could speak, 2026 © Peter Ott