Glossar

Kommunikativer Kapitalismus

Jodi Deans Kommunikativer Kapitalismus beschreibt die Ausbeutung kommunikativer Arbeit im Zeitalter vernetzter Medien. Der kommunikative Kapitalismus operiert, indem er die Nutzer in affektiven “Netzwerken des Genusses, der Produktion und der Überwachung"[1] erfasst, auf die Dean das psychoanalytische Konzept des Triebs anwendet. Der Trieb unterscheidet sich vom Begehren, da das Begehren erfüllt werden kann. Trieb hingegen generiert Vergnügen, weil er nie sein Ziel erreicht. Trieb ist der Genuss, den man fühlt, wenn ein bestimmter Zweck verfehlt wird, und im Ergebnis gefangen bleibt in zwanghaften Feedback-Schleifen des Verhaltens. Weil der kommunikative Kapitalismus gleichgültig gegenüber dem semantischen Inhalt dessen ist was kommuniziert wird, ist radikale Kritik ebenso ausbeutbar wie Katzenvideos; wichtig ist, dass etwas zirkuliert, um die Erfassung des Triebs aufrechtzuerhalten und um an anderer Stelle weiterhin extrahierbaren Mehrwert zu generieren.

[1] Jodi Dean, Blog Theory: Feedback and Capture in Circuits of Drive, (Cambridge: Polity Press, 2010).

Autorin: Patricia Reed / Übersetzung: Manuela Kölke