Finanzialisierung
Die 1973 mit der Eröffnung des Chicago Board Options Exchange ins Leben gerufene Finanzialisierung basiert auf den Prinzipien der Marktliberalisierung. Derivate, also Verträge, die ihren wirtschaftlichen Wert aus der Leistung einer Referenzgröße oder eines Basiswertes beziehen, sind der Inbegriff heutiger Finanzmärkte und übertreffen die konventionellen Produktionsmethoden (gemessen am globalen BIP) mindestens um das Zehnfache. Finanzialisierung ist weitestgehend ein selbstreferentielles System, bei dem das bloße Antizipieren von Werten Preisbewegungen auslösen kann, aus denen Profit generiert wird. Finanzialisierung regt ein nach Rendite-strebendes Verhalten an. Dies ist eine Form von unproduktiver Arbeit, da es sich um das Streben nach Wohlstand handelt, ohne zur Produktivität beizutragen, oder neuen Wohlstand zu schaffen, wie z.B. Unternehmen, die sich für Subventionen einsetzen, um einen größeren Anteil an Steuergeldern zu erhalten, ohne zu dem Topf an Steuergeldern beizusteuern oder diesen zu vergrößern. Rendite-strebendes Verhalten konzentriert sich auf die Vergrößerung des Anteils am Gesamtvermögen ohne das Gesamtvermögen zu vergrößern, ganz nach dem Schema „der Gewinner bekommt alles“. Unabhängig davon, ob wir uns als Teil der Investorenklasse vorstellen oder nicht, hat die Finanzialisierung das Investieren (und die damit verbundene Aufnahme von Risiken) als alltägliche Praxis ‚demokratisiert‘, mit der Folge einer zunehmenden, kollektiven Abhängigkeit von den globalen Finanzmärkten für Anlagen wie Pensionsfonds und Hypotheken.
Author: Patricia Reed / Übersetzung: Manuela Kölke