Wiederaneignung
Ein kultureller Prozess, bei dem einst abfällige und gewalttätige Begriffe, Werkzeuge, Ideen, Gegenstände und Geräte durch und als Akte der Selbstbefähigung zurückgewonnen werden. Aneignung ist die Inbesitznahme von etwas, die Beherrschung eines Gegenstandes oder einer Idee durch die Inanspruchnahme von Rechten daran, sei es konzeptionell und/oder materiell. Wiederaneignung ist die Wiederinbesitznahme dieser enteigneten Rechte oder Ansprüche, wie z.B. das Wort “queer”, das in der Vergangenheit als verleumderischer Begriff verwendet wurde, aber seither von einigen als Begriff der Emanzipation verstanden wird und sogar als umfassender Studienzweig (queere Theorie) entwickelt wurde, der sich auf normative Nonkonformität konzentriert (von der Geschlechterforschung ausgehend hin zur allgemeinen Tendenz zu ‚queeren‘ Disziplinen). Wiederaneignung ist die Fähigkeit zur Neubestimmung und zur semantischen Resignifikation, bei der Begriffe und Objekte mit neuen Nutzungen und Bedeutungen versehen werden.
Autorin: Patricia Reed / Übersetzung: Manuela Kölke