Glossar

Relationale Spezifität

Relationale Spezifität beschreibt einen Ansatz, bei dem das künstlerische Objekt nicht als eine alleinstehende Aussage betrachtet wird, sondern als Teil eines Systems, das das Kunstwerk und seine Umgebung umfasst. Der Begriff lenkt den Blick auf die Zwischenräume und auf die Notwendigkeit, sich mit Fragen der Nähe und Distanz zu befassen. Wie in T.J. Demos‘ Analyse von Miwon Kwons Arbeit deutlich wird, werden bei der relationalen Spezifität „Identität und die Unterschiede zwischen verschiedenen Orten als ‚dialektisch‘ neu gedacht, mit anderen Worten nicht als gegensätzlich, sondern als ‚tragende Relationen‘“. Damit wird sowohl ein relativierender diskursiver Ansatz an den Ort abgelehnt, als auch essentialistische identitäre Ansätze, die sich auf Geografie oder einheitliche Gesellschaftsformen berufen (der „richtige Ort“). Befürwortet wird stattdessen die politisch wirksame Anerkennung nicht nur von gemeinsamen Eigenschaften, sondern auch von fein abgestuften, vertrauten Unterschieden zwischen verschiedenen Orten, was die Möglichkeit eröffnet, „entschlossen am falschen Ort zu leben“ [1]

[1] T. J. Demos, Review: Rethinking Site-Specificity, in: Art Journal 62, Heft 2 (Sommer 2003), S.99–100.

Autor: Behzad Khosravi Noori | Übersetzung von Leo Kennedy-Unglaub