Glossar

Ortsgebundenheit

Nach dem Ansatz der Ortsgebundenheit wird ein Kunstwerk gezielt für einem bestimmten Ort geschaffen, um auf diesen Ort einzugehen. Dabei bezieht der Künstler die Identität oder den Charakter des Aufstellungsortes bei der Entwicklung seines Werks schon mit ein. Das Kunstwerk wird oft derart angelegt, dass es auch durch seine Positionierung im öffentlichen Raum die politischen und gesellschaftlichen Verbindlichkeiten von traditionelleren künstlerischen Praktiken sowie die Kunst als Institution hinterfragt. Ortsgebundene Praktiken kamen zuerst in den späten 1960er Jahren auf, als kritische Reaktion auf jenen Ansatz, der sich mit den Worten „an einem Ort nach dem anderen“ umreißen lässt und bei Museen und Galerien sehr verbreitet ist. Wie T.J. Demos schreibt, war der neue Ansatz „eine Möglichkeit, sich der Komplizenschaft mit einem Markt zu widersetzen, der Objekte zu beweglicher Ware macht, die durch den ‚white cube‘, den idealisierten neutralen Galerieraum, treibt.“ [1]

[1] T. J. Demos, Review: Rethinking Site-Specificity, in: Art Journal 62, Heft 2 (Sommer 2003), S. 98.

Autor: Behzad Khosravi Noori | Übersetzung von Leo Kennedy-Unglaub