Glossary

Inexistence

Inexistenz bezeichnet, Alain Badiou entsprechend, einen “Grad minimaler Existenz gegen Null"[1] im Gegensatz zur Existenz oder zum maximalen Sein. Das Inexistente existiert demnach also nicht nicht. Das Inexistente ist etwas, das in der Schwebe verbleibt zwischen ontologischem Sein (es existiert wirklich) und logischem Nichtsein (es hat keinen Anteil an der Strukturierung oder Erklärung der Welt). Zum Beispiel das Frauenwahlrecht, bei dem Frauen seit Anbeginn der Menschheit ontologisch existierten, nicht aber in Bezug auf die Logik des Wahlrechts – das Problem der Frauen bestand also in einer nahezu Nicht-Existenz im Hinblick auf die bürgerlichen Gesetze. Das Nicht-Existierende in die Existenz zu zwingen, ist gleichbedeutend mit der Schaffung einer neuen Logik (einer neuartigen Weltstruktur), wobei Logik “die Gesetzgebung des Erscheinens"[2] ist – nicht einfach, dass etwas erscheint, sondern dass dessen Sein effektiv zählt.

[1] Alain Badiou, Logics of Worlds: Being and Event II, trans. A.Toscano (London: Bloomsbury, 2009), 324.
[2] Ibid.

Autorin: Patricia Reed / Übersetzung: Manuela Kölke