Liz Rech & Camissa Create
(NOT A) COMMON GROUND / IF THE BONES COULD SPEAK

Das ortsspezifische Projekt (NOT A) COMMON GROUND setzt sich mit dem Hamburger Baakenhafen als wichtigem postkolonialem Gedenkort auseinander, an dem sich eine ökonomische, eine infrastrukturelle, eine historische und eine kulturpolitische Ebene verschränken. Öffentliche Räume können als lebendige Archive gelesen werden, die die vielschichtige Geschichte der Stadt offenbaren. (NOT A) COMMON GROUND ist ein performatives Denkmal, das die Kolonialgeschichte sichtbar macht und zur Diskussion über Kultur und Erinnerung in Hamburg beiträgt. Ein besonderer Fokus dabei liegt auf der politischen Inszenierung, die die Verabschiedung der sogenannten „Schutztruppen“ am Baakenhafen begleitete, die kurz später unter dem Kommando von Lothar von Trotha im heutigen Namibia (damals „Deutsch-Südwestafrika“) einen Genozid an den Volksgruppen der Herero und Nama verübten.

Im Rahmen einer gemeinsamen transnationalen künstlerischen Recherche kooperiert (NOT A) COMMON GROUND mit dem multidisziplinären Performance-Projekt IF THE BONES COULD SPEAK, einer südafrikanisch-namibischen Koproduktion von Camissa Create. IF THE BONES COULD SPEAK folgt der Spur der human remains, also der Knochen, Schädel und Skelettteile ermordeter Vorfahren, die während der deutschen Kolonialzeit und der darauffolgenden Apartheid aus dem südlichen Afrika verschleppt wurden und von denen viele noch immer in europäischen und südafrikanischen Institutionen aufbewahrt werden. Durch Performance, Bewegung, Musik und Klanginstallation stellt das Projekt die Frage, was Repatriierung bedeutet, wenn Fragen der Erinnerung, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung ungelöst bleiben. Durch die Verbindung von historischer Forschung, oral history und dem Austausch mit betroffenen Communities hinterfragt das Projekt hegemoniale Narrative der Restitution und rückt die Perspektiven der betroffenen Gemeinschaften ins Zentrum.

(NOT A) COMMON GROUND / IF THE BONES COULD SPEAK
lädt das Publikum ein, sich mit dem kolonialen Erbe auseinanderzusetzen und sich neue Formen der transnationalen Aufarbeitung vorzustellen. Das Projekt überführt beunruhigendes Erbe und persönliche Geschichten in das öffentliche Gedächtnis der Stadt und eröffnet einen Raum der unbehaglichen Gemeinsamkeit/en. Dabei werden verschiedene Orte am Baakenhafen einbezogen, die im Rahmen einer gemeinsamen Walking Performance mit dem Publikum abgelaufen werden.

Das Projekt ist Teil der Programmreihe Gegen-Denkmäler der Stadtkuratorin Hamburg und findet in Kooperation dem Internationalen Sommerfestival Kampnagel, der Baakenhafen-AG, dem MARKK Museum am Rothenbaum Kulturen und Künste der Welt und dem Hamburger Architektursommer statt.

Mit freundlicher Unterstützung der Probebühne im Gängeviertel, der Quarterpipe und des betahaus-HafenCity.

Das Projekt ist gefördert durch den Hamburger Elbkulturfonds und den Fonds Darstellende Künste.


Künstlerisches Konzept: Liz Rech / Camissa Create

Beteiligte Künstler*innen: Glen Arendse, Memory Biwa, Lucy Campbell, Luke De Kock, Daniel Dominguez Teruel, Immaculata Hiền Thơ Nguyễn, Heinrich Horwitz, Janis Jirotka, David Odiase, Haymich Olivier, Zwoisy Mears-Clarke, Trixie Munyama, ein Pferd, Liz Rech, Fahnenschwinger Konstanz e.V. (Svenja Freimoser, Alexandra Mennel), Ted Gaier, Nikola Duric, Till Wolfer, u.a.

Projektleitung: Anne Mager / Rae’ Classen

Produktionsassistenz: Rbqa Renz

Technische Leitung: Felix Jung

Dauer Walking Performance: 1 ½ - 2 Stunden

Triggerwarnung: Das Projekt thematisiert rassistische und genozidale Gewalt.

Information zur Barrierefreiheit:
Das Projekt wird in deutsch-englischer Sprache stattfinden und ist bedingt barrierefrei, da die Zuschauer*innengruppe zu Fuß unterwegs sein wird. An einzelnen Stationen der Performance wird es die Möglichkeit geben, sich hinzusetzen. Bitte sprecht uns an, wenn ihr Unterstützungsbedarf habt, wir versuchen individuelle Lösungen zu finden.

Kinderbetreuung: Zeitgleich zu den Performances am Samstag und Sonntag wird in unmittelbarer räumlicher Nähe ein kostenloses Naturerlebnissprogramm für Kinder und Jugendliche stattfinden, um Personen mit Careverpflichtung einen unkomplizierten Vorstellungsbesuch zu ermöglichen. Das Vermittlungsprogramm wird in Kooperation mit der Loki Schmidt Stiftung erarbeitet.

Biografie

Liz Rech studierte zunächst Schauspieltheaterdramaturgie in München mit Stationen in Berlin und Avignon. Anschließend zog sie für ein Regiestudium an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg / HfMT 2002 nach Hamburg und lebt seitdem dort. Seit 2007 realisierte sie zahlreiche Projekte im Grenzbereich zwischen Schaupieltheater, Installation, Aktivismus und Performance. Seit 2009 ist sie Teil der Künstler*inneninitiative Komm in die Gänge im Hamburger Gängeviertel; daneben kontinuierliche Mitarbeit in Künstler*innenkollektiven (Schwabinggrad Ballett; Megaphonchor). Seit 2015 forscht sie am künstlerisch-wissenschaftlichen Graduiertenkolleg PERFORMING CITIZENSHIP (HCU; k3 - Zentrum für Choreografie / Hamburg) zu choreografischen Bewegungspraktiken innerhalb von sozialen Bewegungen. Liz Rech unterrichtet an verschiedenen Hochschulen, u.a. an der HfMT und der HafenCity Universität / HCU in Hamburg. Zuletzt erarbeitet sie 2024–2025 zusammen mit Bubu Mosiashvili die Walking-Performances Rehearsing Collectivity I + II im Rahmen der Reihe Recurrencies an der Gesellschaft für aktuelle Kunst/GAK in Bremen.

Camissa Create ist eine Performance-Company, die sich auf Kulturerbe, historische Erzählungen und ortsspezifische Arbeiten spezialisiert hat. Camissa Create nutzt Performancekunst, um den sozialen Wandel in Südafrika voranzutreiben mit einer einzigartigen künstlerische Identität, die im kulturellen Erbe der Region verwurzelt ist. Ihr Fokus liegt dabei auf der Förderung von Jugendlichen und der Entwicklung von Fähigkeiten, um die nächste Generation im Bereich der Künste zu stärken. Die Company zelebriert indigene Kulturen und sorgt dafür, dass ihre Geschichten durch die Bewahrung von Erinnerungen gewürdigt werden.