Das ortsspezifische Projekt von Liz Rech und Camissa Create lädt das Publikum in gemeinsamen Performance Walks dazu ein, sich mit dem kolonialen Erbe und dem Hamburger Baakenhafen als post-kolonialem Gedenkort auseinanderzusetzen.
Die namibisch-südafrikanisch-deutsche Koproduktion (NOT A) COMMON GROUND/ IF THE BONES COULD SPEAK setzt sich mit dem Hamburger Baakenhafen als wichtigem postkolonialem Gedenkort auseinander. Widersprüchliche kollektive Erinnerungen werden wechselseitig geteilt und kommentieren sich gegenseitig. (Teil-)Reenactments, Installationen und performative Interventionen machen die Kolonialgeschichte sichtbar und bilden ein temporäres Monument, das unterschiedliche Perspektiven auf den Erinnerungsort eröffnet. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der politischen Inszenierung und der kolonialen „Eventkultur“, die die Verabschiedung der sogenannten „Schutztruppen“ am Baakenhafen begleitete, die 1904–1907 unter dem Kommando von Lothar von Trotha im heutigen Namibia (damals „Deutsch-Südwestafrika“) einen Genozid an den Volksgruppen der Herero und Nama verübten. Das Projekt versteht sich als performativer Beitrag zu einem Diskurs, der aktuell die kultur- und erinnerungspolitische Debatte in Hamburg prägt. Dies geschieht in Kooperation mit vielen Initiativen vor Ort, um die Community rund um den Baakenhafen aktiv miteinzubeziehen.
Im Rahmen einer gemeinsamen künstlerischen Recherche kooperieren Liz Rech und (NOT A) COMMON GROUND mit dem multidisziplinären Performance-Projekt IF THE BONES COULD SPEAK, einer südafrikanisch-namibischen Koproduktion von Camissa Create unter der Leitung von Luke de Kock. IF THE BONES COULD SPEAK folgt der Spur der human remains, die während der deutschen Kolonialzeit und der darauffolgenden Apartheid aus dem südlichen Afrika verschleppt wurden und von denen viele noch immer in europäischen und südafrikanischen Institutionen aufbewahrt werden. Durch Performance und Klanginstallation sowie der Verbindung von historischer Forschung, oral history und dem Austausch mit betroffenen Communities hinterfragt das Projekt hegemoniale Narrative der Restitution und rückt die Perspektiven der betroffenen Gemeinschaften ins Zentrum.
(NOT A) COMMON GROUND / IF THE BONES COULD SPEAK lädt dazu ein, sich neue Formen der transnationalen Aufarbeitung vorzustellen. Verschiedene Orte am Baakenhafen werden im Rahmen eines rund zweistündigen gemeinsamen performativen Walks (in englischer und deutscher Sprache) mit dem Publikum abgelaufen. Das Projekt überführt beunruhigendes Erbe und persönliche Geschichten in das öffentliche Gedächtnis der Stadt und eröffnet so einen Raum der unbehaglichen Gemeinsamkeit/en.
(NOT A) COMMON GROUND / IF THE BONES COULD ist Teil der Programmreihe Gegen-Denkmäler der Stadtkuratorin Hamburg. Im Kern der Reihe steht die Frage, wie wir uns kritisch, sensibel und zeitgemäß mit dem öffentlichen Raum auseinandersetzen können, sodass sich die Vielstimmigkeit und die unterschiedlichen Lebenserfahrungen unserer postmigrantischen Gesellschaft darin spiegeln. Mehrere der Projekte widmen sich der Pflege und der Instandhaltung der Orte, dies in Zusammenarbeit mit der Behörde für Kultur und Medien Hamburg.
PROGRAMMHEFT
Donnerstag, 13.8., 19:00 Performance Walk (Premiere)
Freitag, 14.8., 19:00 Performance Walk. Künstler*innengespräch mit Joanna Warsza im Anschluss an die Vorstellung um 21:15 (auf Englisch)
Samstag, 15.8., 17:00 Performance Walk
Sonntag, 16.8., 16:00 Performance Walk
Venue: Baakenhafen, Dauer: ca. 2 Stunden, Sprachen: Englisch & Deutsch
Treffpunkt: Foyer im KreaTiefgeschoss, Versmannstraße 32 (Hafenseite), 20457 Hamburg
Wenige Resttickets ggf. hier und an der Abendkasse Kampnagel Sommerfestival.
Besondere Ticketkontingente für BIPoC-Communities
(bitte kurze Mail an notcommonground@protonmail.com)
Content Notes: Reproduktion und kritische Bearbeitung kolonialer Inhalte (wie z.B. binäre Geschlechterrollen, Zitate, Körperhaltung, u.v.a.), Rassismus, Völkermord, Sklaverei, Nationalismus, (Lokal)Patriotismus, Militarismus, menschliche Knochen und ancestral remains.
Sensorische Reize: Rauch, Feuer, lebendiges Pferd
Akustische Reize: Erhöhte Lautstärke durch den Einsatz von Horninstrumenten, Klassismus
Das Projekt hat ein begleitendes Konzept zu Awareness, Barrierefreiheit + Diskriminierungskritik entwickelt. Dazu finden Sie hier ausführliche Informationen.
Kinderbetreuung: Zeitgleich zu den Performances am Samstag und Sonntag wird in unmittelbarer Nähe ein kostenloses Naturerlebnissprogramm für Kinder und Jugendliche stattfinden, um Personen mit Careverpflichtung einen Vorstellungsbesuch zu ermöglichen.
Naturerlebnisprogramm für Kinder
Pflanzen reisen – als Samen im Gepäck von Schiffen, als Handelsware, als Spuren ferner Länder. Der Kolonialismus hat die Pflanzenwelt weltweit verändert, und rund um den Baakenhafen wachsen bis heute Zeugnisse dieser Geschichte. Gemeinsam mit den Kindern gehen wir auf Spurensuche: Welche Pflanzen wachsen hier? Woher stammen sie? Und welche Geschichten erzählen sie?
Samstag 16:45–19:15 Uhr | 9–13 Jahre
Sonntag 15:45–18:15 Uhr | 4-8 Jahre
Treffpunkt: Versmannstraße 60 (unten am Wasser)
Anmeldung bitte über hafencity@loki-schmidt-stiftung.de
Ein kostenloses Angebot der Loki Schmidt Stiftung.
Pädagogische Betreuung: Megan Auer & Rieke Lenz
Künstlerisches Konzept: Liz Rech / Camissa Create
Beteiligte Künstler*innen: Celina Abba, Ariane Andereggen, Glen Arendse, Memory Biwa, Cabañero, Lucy Campbell, Daniel Dominguez Teruel, Nikola Duric, Fahnenschwinger Konstanz e.V. (Svenja Freimoser, Alexandra Mennel), Ted Gaier, Heinrich Horwitz, Janis Jirotka, Luke De Kock, Kajan Luc, Robert Machiri, Trixie Munyama, Jameela Mupia, David Odiase, Haymich Olivier, Shield and Shine Special Forces, Liz Rech, Till Wolfer u.a.
Musikalische/akustische Inszenierungsstrategien: Daniel Dominguez Teruel
Künstlerische Recherche: Janis Jirotka
Produktionsleitung: Anne Mager / Raé Classen
Produktionsassistenz: Rbqa Renz
Regieassistenz: Linda Lou Dierich-Matzke
Hospitanz: Eva Rost
Redaktion und Öffentlichkeitsarbeit: Immaculata Hiền Thơ Nguyễn
Grafik: Franziska Bergner, Nelson Kinalele
Technische Leitung: Felix Jung
Technische Assistenz: Felipe González Castillón
Horsework: Lene Husch (Abraxah)
Ausstattung / Styling: Fridericke Becker
Ausstattungsassistenz: Jan Almstadt
Community Outreach: Jameela Mupia
Awareness und Diskriminierungskritik: Saman A. Sarabi
Outside Eye für Dekoloniale Kunstproduktion / Access-Koordination: Zwoisy Mears-Clarke
Beratung zur Barrierefreiheit: Kerstin Hagemann, KulturPerlen.hamburg
(NOT A) COMMON GROUND / IF THE BONES COULD SPEAK ist Teil der Programmreihe Gegen-Denkmäler der Stadtkuratorin Hamburg und findet in Kooperation mit dem Internationalen Sommerfestival Kampnagel, der Baakenhafen-AG, dem MARKK Museum am Rothenbaum Kulturen und Künste der Welt und dem Hamburger Architektursommer statt.
Das Projekt ist gefördert durch den Hamburger Elbkulturfonds, die Behörde für Kultur und Medien, den Fonds Darstellende Künste und die Loki Schmidt Stiftung und den Proberaumfonds des Dachverbands freie darstellende Künste Hamburg (DfdK).
Mit freundlicher Unterstützung der Probebühne im Gängeviertel, EDGE Hafencity Hamburg, KreaTiefgeschoss & Hochgenuss, Toplicht sowie der Quarterpipe und des betahaus-HafenCity.
Code of Conduct:
Das Team der Performance tritt dafür ein, dass der Baakenhafen als temporärer Performanceraum ein maximal möglicher diskriminierungsfreier, sicherer und gewaltfreier Ort ist, an dem alle einen fairen, wertschätzenden und respektvollen Umgang miteinander pflegen. Wir sehen es als unsere gesellschaftliche Verantwortung, Räume zu schaffen, die für alle zugänglich und möglichst sicher sind. Dies ist kein Zusatz, sondern zentraler Bestandteil unserer Arbeit als künstlerisches Projekt in unserer Zeit.
Wir zeigen klare Haltung gegen jegliche Form von:
Queer- und trans*feindlichkeit
Rassismus
Antisemitismus
Klassismus
Ableismus
Sexismus
Bodyismus
u.v.a.
und darin alle sich gegenseitig verstärkenden Formen von Diskriminierungen und Ausschlüssen.
Note:
Die Aufzählung ist beispielhaft und die Reihenfolge entspricht keiner Hierarchie. Vielmehr sind die einzelnen Beispiele als miteinander verschränkt und intersektional zu verstehen.
Liz Rech & Camissa Create
(NOT A) COMMON GROUND / IF THE BONES COULD SPEAK
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Fragment aus Der Hafen von Hamburg, Hamburg 1912, Lithografie. Quelle © Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Public Domain Mark 1.0 Universal
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Baakenhafen (Sicht auf Baakenpark) © Liz Rech
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Biografie
Liz Rech studierte zunächst Schauspieltheaterdramaturgie in München mit Stationen in Berlin und Avignon. Anschließend zog sie für ein Regiestudium an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg / HfMT 2002 nach Hamburg und lebt seitdem dort. Seit 2007 realisierte sie zahlreiche Projekte im Grenzbereich zwischen Schaupieltheater, Installation, Aktivismus und Performance. Seit 2009 ist sie Teil der Künstler*inneninitiative Komm in die Gänge im Hamburger Gängeviertel; daneben kontinuierliche Mitarbeit in Künstler*innenkollektiven (Schwabinggrad Ballett; Megaphonchor). Seit 2015 forscht sie am künstlerisch-wissenschaftlichen Graduiertenkolleg PERFORMING CITIZENSHIP (HCU; k3 - Zentrum für Choreografie / Hamburg) zu choreografischen Bewegungspraktiken innerhalb von sozialen Bewegungen. Liz Rech unterrichtet an verschiedenen Hochschulen, u.a. an der HfMT und der HafenCity Universität / HCU in Hamburg. Zuletzt erarbeitet sie 2024–2025 zusammen mit Bubu Mosiashvili die Walking-Performances Rehearsing Collectivity I + II im Rahmen der Reihe Recurrencies an der Gesellschaft für aktuelle Kunst/GAK in Bremen.
Camissa Create ist eine Performance-Company, die sich auf Kulturerbe, historische Erzählungen und ortsspezifische Arbeiten spezialisiert hat. Camissa Create nutzt Performancekunst, um den sozialen Wandel in Südafrika voranzutreiben mit einer einzigartigen künstlerische Identität, die im kulturellen Erbe der Region verwurzelt ist. Ihr Fokus liegt dabei auf der Förderung von Jugendlichen und der Entwicklung von Fähigkeiten, um die nächste Generation im Bereich der Künste zu stärken. Die Company zelebriert indigene Kulturen und sorgt dafür, dass ihre Geschichten durch die Bewahrung von Erinnerungen gewürdigt werden.